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Mittelstand sieht Digitalisierung als Chance für mehr Nachhaltigkeit

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Drei Viertel der mittelständischen Unternehmen sehen Digitalisierung als Chance für mehr Nachhaltigkeit im eigenen Betrieb. Das ist das Ergebnis einer repräsentativen Umfrage bei kleinen und mittelständischen Unternehmen durch das Marketing-Research-Institut Produkt + Markt (Wallenhorst). Beauftragt wurde die Befragung von der Kompetenzplattform nachhaltig.digital, die bei der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU, Osnabrück) und dem Bundesdeutschen Arbeitskreis für umweltbewusstes Management (B.A.U.M., Hamburg) angesiedelt ist.

Mit Blick auf die ab heute (Montag) im digitalen Format stattfindende viertägige „DIV 2020 und nachhaltig.digital Jahreskonferenz“ sagt DBU-Generalsekretär Alexander Bonde: „Digitalisierung kann durch innovative Werkzeuge zum Motor für mehr Nachhaltigkeit werden. Das gilt es zu fördern.“ Grünen Start-ups, also Firmenneugründungen, sowie kleinen und mittleren Unternehmen komme dabei eine Schlüsselrolle zu, weil sie sehr oft mit ausgefeilten digitalen Geschäftsmodellen zeigen, wie sich Digitalisierung für mehr Nachhaltigkeit einsetzen lässt. Auch nach Einschätzung des Wissenschaftlichen Beirats der Bundesregierung Globale Umweltveränderungen (WBGU) biete die Digitalisierung sehr viele Chancen beim Klima- und Ressourcenschutz. Doch ohne klare Rahmenbedingungen könne sie auch als „Brandbeschleuniger“ des steigenden Energie- und Ressourcenbedarfs sowie der Treibhausgasemissionen wirken. Diese Risiken gilt es nach Bondes Worten zu vermindern.

Digital-Gipfel der Bundesregierung

Mit Verweis auf den Digital-Gipfel der Bundesregierung, der Ende November mit dem Schwerpunkt „Digital nachhaltiger leben“ startet, stellt der DBU-Generalsekretär erste Ergebnisse aus der Unternehmensumfrage „nachhaltig.digital Monitor 2020“ vor. Demzufolge schätzen die meisten Befragten den Digitalisierungsgrad ihrer eigenen Firma als durchschnittlich (38 Prozent) ein. Als „hoch“ stufen 27 Prozent, als „sehr hoch“ 16 Prozent der befragten Betriebe den eigenen Digitalisierungsgrad ein. Drei Viertel der befragten Unternehmen mit 50 bis 499 Mitarbeitern, also der klassische Mittelstand, sehen die Digitalisierung als Chance für mehr Nachhaltigkeit im eigenen Betrieb. Zusammen mit den Kleinstunternehmen (bis zu neun Mitarbeitern) und kleinen Unternehmen (10 bis 49 Angestellte) sind es 55 Prozent. „Neben besserem Zugang zu Wissen und schnelleren Prozessabläufen sieht die Mehrheit der Befragten hohe bis sehr hohe Potenziale beim effizienteren Einsatz von Ressourcen (72 Prozent), bei transparenteren Lieferketten (62) sowie beim geringeren Energieverbrauch (51)“, so Bonde.

Kompetenzplattform nachhaltig.digital bietet Lösungsansätze

Nach den Worten des DBU-Generalsekretärs legt die Umfrage zugleich offen, wo es noch Handlungsbedarf gibt: Etwa zwei Drittel der Befragten (67 Prozent) gibt zum Beispiel an, dass es noch an Wissen, Praxisbeispielen (65) und Lösungsansätzen (65) mangelt, um die Digitalisierung für eine ökologischere Wirtschaftsweise zu nutzen. An diesem Defizit arbeitet die Kompetenzplattform „nachhaltig.digital“: Unternehmen können sich hier leicht vernetzen, sich in einer Sammlung „nachhaltig.digitaler Bausteine“ zu praktischen Lösungen informieren und über Good-Practice-Beispiele und Innovationen austauschen, zum Beispiel in den Bereichen digitale Kreislaufwirtschaft, 3D-Druck sowie der grünen Informationstechnologie („Green IT“). Während der viertägigen Jahreskonferenz gemeinsam mit der Digital-Gipfel-Initiative „Deutschland intelligent vernetzt“ (DIV) finden Vorträge, Praxisimpulse und Diskussionen im virtuellen Format statt. Das Motto für Vertreterinnen und Vertreter aus Kommunen und Unternehmen: „Intelligent vernetzte Städte und Regionen umsetzen – Nachhaltigkeit erreichen!“

Für die Umfrage „nachhaltig.digital Monitor 2020“ wurden vom 10. Juni bis 30. Juli dieses Jahres in kleinen und mittleren Unternehmen 500 Telefoninterviews mit Entscheidern im Bereich der Digitalisierung geführt. Eine Gesamtveröffentlichung der Ergebnisse erfolgt zum Ende des Jahres. Die Kompetenzplattform ist im Internet unter: https://nachhaltig.digital/ abrufbar.

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  • Drei Viertel der mittelständischen Unternehmen sehen Digitalisierung als Chance für mehr Nachhaltigkeit im eigenen Betrieb.: DBU

Wachstum vervierfacht: Online-Probiersupermarkt Utry.me setzt Erfolgskurs fort

Das Münchner Startup Utry.me hebt den Markt für Fast Moving Consumer Goods (FMCG) auf ein neues Level: Längst ist der Ansatz, neue Produkte zum Probieren und zur Bewertung anzubieten, zum lukrativen digitalen Geschäftsmodell avanciert.

Wachstum inmitten der Krise

Mit nun 25 Mitarbeitern betreut das Startup die zwischenzeitlich mehr als 50.000 registrierten Community-Mitglieder. Mitgründer und Geschäftsführer André Moll rechnet für die nächsten Monate sogar mit einer weiteren Verdopplung dieser Mitgliederzahl. Zum Vergleich: Zu Beginn dieses Jahres bestand das Team aus gerade einmal fünf Mitarbeitern, doch ein Wachstum von mehr als 400 Prozent machte den Personalaufbau mehr als notwendig. Doch das sind nicht die einzigen Kennzahlen, die den Erfolg des Online-Probiermarktes beschreiben: Mittlerweile arbeiten mehr als 250 Unternehmen der FMCG-Branche mit Utry.me zusammen, um hier ihre Produktneuheiten einem bunt gemischten Publikum zu präsentieren – und zwar digital.

Bei dieser Gelegenheit stellen Mitarbeiter des Probiermarktes die Produkte vor, lassen aber auch Influencer oder die Hersteller zu Wort kommen, die ihre Erfahrungen mit der Community teilen. Zu den Live-Events im Internet werden die registrierten Mitglieder eingeladen, die sich ganz bequem und unkompliziert zuschalten – so sieht die digitale Alternative einer Verbrauchermesse aus.

Neues Lager im ehemaligen Edeka-Markt

Das Konzept überzeugt, denn auch in puncto Partner dürfte Utry.me in den nächsten Monaten einen kräftigen Sprung nach oben machen. Wie stark das Bestellaufkommen schon gestiegen ist, belegt die Tatsache, dass das Startup in ein neues, größeres Lager umziehen musste: Ein ehemaliger Edeka-Markt erweist sich mit seinem 1.000 m² Lagerfläche als perfekte Lösung. Schließlich müssen die Waren gelagert, entsprechend der Bestellung gepackt und auf den Weg gebracht werden.

Vielfältiges Produktportfolio – ohne Preise

Erstaunlich ist das Konzept in der Preisfrage: Schauen sich Community Members im Sortiment um, finden sie keine Preise für die angebotene Ware. Der Nutzer ist aufgefordert, einfach den Warenkorb zu füllen. Ein Balken zeigt grafisch an, wann das Limit von 24,90 Euro pro Bestellbox erreicht ist. Ebenso erfrischend ist die Produktvielfalt, die von Getränken über Nahrungs- und Genussmittel bis hin zu Drogerie- und Haushaltswaren sowie Tiernahrung reicht. Bei den Marken, die sich dieser Promotion-Möglichkeit bedienen, finden sich etablierte Branchengrößen wie Dr. Oetker, Tchibo oder Ferrero ebenso wie weniger bekannte Unternehmen wie Hans Brainfood, True Gum oder Buz Hard Seltzer die den deutschen Markt für ihre Produkte testen wollen.Hierdurch erhalten sie belastbare Daten für ihre Marktforschungszwecke: Die Bewertungen und das Kaufverhalten der Mitglieder liefern die Feedbacks, aus denen sich neue Trends ableiten lassen. Zuverlässig unterstützen die angeschlossenen Partner-Unternehmen die wöchentliche Aktualisierung des Sortiments. Hier treffen die besten Entwicklungen aus zwei Welten zusammen: Hersteller liefern ihre spannenden neuen Produkte, Utry.me stellt die digitale Plattform für deren Präsentation und Vermarktung zur Verfügung.

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  • Lager: Utry.me

Wirtschaftsgipfel Deutschland 20/21: Neuer Termin, hochkarätiges Programm

Steigende Fallzahlen und der Lockdown ganzer Regionen: Die Corona-Pandemie hat die Welt nach wie vor fest im Griff. Aufgrund der dynamischen Entwicklung des Infektionsgeschehens haben Veranstalter und Partner des Wirtschaftsgipfel Deutschland 2020 entschieden, das hochkarätig besetzte Event vom 14. November 2020 auf den 27. März 2021 zu verschieben. Wieviel Veränderung vertragen Deutschland und Europa und wie kann die Wirtschaft konstruktiv auf den Wandel reagieren? Diesen und anderen Fragen werden sich hoch angesehene Manager erfolgreicher Konzerne sowie bekannte Vertreter aus Verbänden und Politik im Frühjahr auf dem Wirtschaftsgipfel Deutschland 20/21 im Business- und Tagungszentrum Sportpark Ronhof | Thomas Sommer in Fürth stellen.

„Wir bedauern die Verschiebung sehr, sehen aber im Sinne der Gesundheitsprävention keine andere Möglichkeit. Mit dieser Maßnahme möchten wir unseren Teil dazu beitragen, die weitere Ausbreitung des Coronavirus einzudämmen“, erklärt Marcel Riwalsky, Gründer von Aviation-Event und Initiator des Wirtschaftsgipfel Deutschland. Die Entscheidung habe man in enger Absprache mit dem Gastgeber SPVGG GREUTHER FÜRTH GMBH & CO. KGAA und mit der Industrie- und Handelskammer Nürnberg für Mittelfranken getroffen. „Bereits verkaufte Tickets behalten ihre Gültigkeit. Gleiches gilt für das geplante Programm“, fügt der Unternehmer hinzu. Zu den hochkarätigen Gästen, die ihr Kommen bereits zugesagt haben, zählen Friedrich Merz, Vizepräsident des Wirtschaftsrates der CDU und Kandidat für den Vorsitz der CDU, Digitalministerin Dorothee Bär, EU-Parlamentsmitglied Manfred Weber, Puma-DACH-Chef Matthias Bäumer, EON-Tschechien-Chef Martin Záklasník und Deutschlands bekannteste Profilerin Suzanne Grieger-Langer.

„Gemeinsam mit den Experten wollen wir im kommenden Frühjahr in einen konstruktiven Dialog darüber einsteigen, wie wir in der deutschen Wirtschaft gleichzeitig Werte erhalten und Veränderungen für alle verträglich gestalten können, um die Grundwerte unserer Gesellschaft – etwa Freiheit, Gleichberechtigung und  Selbstbestimmung – zu erhalten“, sagt Marcel Riwalsky. Wie kann ein Paradigmenwechsel gedacht und gefördert werden? Was muss Politik leisten, wie können sich gesellschaftliche Kräfte einbringen, welche Rolle spielt die Wirtschaft? Wie gut sind die Unternehmen auf Veränderungen vorbereitet und wie können sie den Wandel aktiv begleiten? „Wir stehen einmal mehr vor einer Zäsur und erleben den Wandel hautnah. Die Teilnehmer des Wirtschaftsgipfel Deutschland 20/21 werden die einmalige Gelegenheit erhalten, mit Experten aus unterschiedlichen Bereichen darüber zu diskutieren, was uns erwarten könnte und wie wir aktiv Einfluss auf die Entwicklungen nehmen können.“

Auf dem Wirtschaftsgipfel Deutschland 20/21 wird es darum gehen, Prozesse zu hinterfragen, Denkrichtungen anzustoßen und sie aus den unterschiedlichsten Blickwinkeln zu betrachten. Das Event findet am Samstag, 27. März 2021, ab 8 Uhr im Business- und Tagungszentrum Sportpark Ronhof | Thomas Sommer in Fürth statt. Weitere Informationen zum Programm, zu den Experten und zur Anmeldung finden sich unter www.wirtschaftsgipfel.com.

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Grüne Welle erobert Supermärkte

Mehr für nachhaltige Produkte zu bezahlen ist keine Frage des Geldbeutels mehr. Vor allem bei Lebensmitteln sind Konsumenten immer öfter bereit, tiefer in die Taschen zu greifen. In puncto Inhalt, Herkunft und Transparenz besteht jedoch weiter Unsicherheit – selbst gut gemeinte Gütesiegel bieten nicht immer die gewünschte Orientierung. Das geht aus einer aktuellen Studie der Managementberatung Horváth & Partners hervor, für die im April 300 Personen befragt wurden.

Die Studienergebnisse zeigen deutlich, welch hohen Stellenwert nachhaltig produzierte Konsumgüter mittlerweile in der Kaufentscheidung quer durch alle Verbraucherschichten haben. „Wir beobachten geradezu eine grüne Welle“, erläutert Studienautor Michael Buttkus, Horváth-Partner für Retail & Consumer Goods. „Die Corona-Pandemie hat zu einer spürbaren Dynamisierung und Veränderung des Kaufverhaltens geführt, auf die Hersteller mit entsprechenden Kapazitäten und Prioritäten reagieren müssen.“

Bio und Fair im Trend

Für Unternehmen der Konsumgüterbranche bedeutet dies, Nachhaltigkeit wird künftig schlicht zum „Hygienefaktor“ und damit essenziell für die ökologische Ausrichtung jedes Unternehmens, meint der Handelsexperte. Die bei vielen Anbietern bestehende Kluft zwischen unternehmenseigenen Sustainability-Ambitionen und der Realität sei vor dem Hintergrund steigender Konsumentenerwartungen und der klaren Verbraucheranalysen dringend zu schließen. Die Studienergebnisse verdeutlichen, dass es hier um nicht weniger als die Wettbewerbspositionierung der Zukunft gehen wird.

Studienergebnisse eindeutig

  1. Die Studie belegt, dass die Ausgaben für nachhaltige Produkte im Vergleich zur allgemeinen Ausgabenbereitschaft stabil geblieben sind.
  2. Nachhaltige Produkte werden inzwischen von allen Bevölkerungsschichten begrüßt und gefordert. Daher ist es wichtig, das Produktportfolio zu überarbeiten und den Marketing-Mix für diese Produkte auf breitere Käuferschichten auszurichten.
  3. Gerade jetzt in Corona-Zeiten sind Kunden besonders sensibilisiert für Regionalität, Fairness und Nachhaltigkeit. Umso wichtiger wird es in der Kundenansprache, die adäquate Tonalität und die richtigen Botschaften zu finden.
  4. Ein Dilemma birgt allerdings die starke Unübersichtlichkeit von Umwelt- und Gütesiegeln. Immer mehr solcher Zertifizierungen und Umweltzeichen führen zu immer weniger Orientierung und daher auch zu sinkendem Vertrauen.
  5. Und zuletzt: Nachhaltigkeit und Profitabilität schließen sich nicht aus. Im Gegenteil – nachhaltige Produkte werden vom Kunden mit einem Mehrwert assoziiert, der sich auch in erhöhter Zahlungsbereitschaft widerspiegelt.

Richtige Zeit zum Handeln

Konsumenten blicken mit „Argusaugen“ auf Hersteller und Produkte, sagt Buttkus. Abgedroschene Werbebotschaften oder stumpfe Wiederauflagen von älteren Promotions greifen zu kurz. Authentische Geschichten, die zur eigenen Marke passen und die aktuelle Lage widerspiegeln, sind wichtiger denn je. „So lässt sich gerade in Corona-Zeiten das eigene Profil schärfen und die Nachhaltigkeit glaubhaft in der eigenen Marke verankern“, erklärt Buttkus.

Buttkus appelliert an Konsumgüterhersteller, alternative und vor allem längerfristige Ansätze zu entwickeln, um mögliche Informationsdefizite beim Kunden abzubauen und das Vertrauen in Bio und Fair zu stärken. Aufklärungskampagnen, die clever mit den eigenen Produkten und Prozessen verzahnt sind, erhöhen nicht nur die Akzeptanz nachhaltiger Produkte im Markt, sondern erlauben Anbietern gleichzeitig die erfolgreiche Positionierung als „Marke des Vertrauens“.

Der Horváth-Experte sieht die Corona-Pandemie aber auch als Gelegenheit für Konsumgüterhersteller, Produkte und Prozesse einer systematischen Analyse in Hinblick auf neue Anforderungen zu unterziehen. „Jetzt geht es um mehr als Preisstrategien. Wir sehen die Notwendigkeit, die gesamte Unternehmung über alle Funktionen glaubhaft auszurichten, um die Produkte entsprechend zu positionieren. Und auch wenn es eine Diskrepanz zwischen Zahlungsbereitschaft und tatsächlichen Ausgaben im Alltag gibt, sind die ermittelten Preisaufschläge für Bio- und Fair-Produkte als starkes Signal in diese Richtung zu interpretieren.“

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Dialog statt Sprachhygiene

Von Markus Fischer

„Sprache schafft Bewusstsein“, „Worte gestalten Realität“, „Begriffe können verletzen“ – so die Befürworter der Sprachhygiene. Sie plädieren für mehr Achtung, Respekt und Gleichberechtigung in der Gesellschaft. Das klingt vernünftig und wünschenswert. Warum nicht einfach ein paar genderneutrale Pronomen lernen und auf einige Begriffe verzichten? So einfach ist das nicht. Die  Sache ist komplizierter, als sie auf den ersten Blick erscheint.

Werden, wie die Befürworter der Sprachhygiene behaupten, gesellschaftliche Werte wie Gleichberechtigung, Respekt und Wertschätzung durch die Regeln einer „neuen Sprache“ gefördert? Oder sind Gedanken und Sprache nicht vielmehr, wie die Kritiker anführen, Ausdruck (und nicht Ursache) eines veränderten Werte-Bewusstseins?

Der aufgeheizte Disput ist Ausdruck eines tieferen Konflikts in modernen Gesellschaften. Ein konstruktiver Dialog setzt Reflexionsfähigkeit, Empathie, Klarheit und Wohlwollen voraus. Das scheint selbstverständlich – ist es aber nicht. Die seit einigen Jahren verordnete Sprachhygiene wird den selbst vorgetragenen Werten häufig nicht gerecht.

Haltung ist (fast) alles

Von der Geburt bis zum Erwachsenen durchlaufen Menschen eine tief greifende emotionale, soziale und geistige Entwicklung, die man in ihrer zeitlichen Reihenfolge sehr vereinfacht in fünf Phasen unterscheiden kann: egozentrisch, konformistisch, rational, pluralistisch und integral. Jede Entwicklungsphase ist in sich richtig und wichtig – und dennoch sind spätere Ebenen besser als frühere, in dem Sinne, dass sie umfassender, empathischer, vernünftiger oder, ganz altmodisch ausgedrückt, reifer sind. Gesunde Erwachsene durchlaufen prinzipiell jede Phase, aber nicht jeder landet dabei auf einer integralen Ebene. Menschen bilden einen Schwerpunkt auf oder um eine der Ebenen herum und dies führt zu sehr unterschiedlichen Weltsichten und Werte-Haltungen. Sie bilden das unbewusste Fundament unseres Denkens, Fühlens und Handelns.

Licht- und Schattenseiten der Entwicklung

Jede dieser Ebenen hat ihre Errungenschaften und Qualitäten, aber auch ihre Schattenseiten. Ein gesundes Ego ist überlebensnotwendig, erwachsener Egoismus ist oft destruktiv. Konformität fördert den sozialen Zusammenhalt, kann aber auch Freiheit und Individualität unterdrücken. Rationalität bewahrt uns vor konformistischen Dogmen, kann aber auch zur Abwertung „irrationaler“ Gefühle führen. Pluralistische Toleranz, Gleichberechtigung und Harmonie sind wichtige Werte in einer globalen Welt. Aber unreflektierte Toleranz und falsche Harmonie können eine notwendige Auseinandersetzung und Abgrenzung behindern. Wir müssen die Leistungen und Fehlleistungen jeder Entwicklungsphase verstehen und anerkennen, um so zu einer ausgewogenen, integralen Haltung zu gelangen.

Welche Sprachhygiene hätten’s denn gern?

In der Diskussion um die Sprachhygiene argumentiert man immer vor dem Hintergrund der Werte-Haltung. Diese Haltung bestimmt die tiefere Motivation hinter den Argumenten. Man kann die Sprachhygiene aus einer egozentrischen Haltung heraus befürworten oder ablehnen. Die Argumentation lautet dann eigentlich: „Ich rede, wie ich will und lasse mir von niemanden etwas verbieten oder vorschreiben!“. Hier geht es also nicht darum, ob jemand durch Worte geschützt oder verletzt werden könnte – es geht um die egozentrische Durchsetzung der eigenen Sichtweise. Die konformistische Haltung dagegen wird durch Angst um die Anerkennung und Zugehörigkeit zur eigenen Gemeinschaft motiviert. Eigene, egozentrische Wünsche müssen zurückstehen. Diese Haltung sagt: „Was die Mehrheit möchte ist wichtiger, als das was ich möchte.“ Eine rationale Werte-Haltung versucht häufig, die Argumentation für oder gegen eine Sprachhygiene auf Basis wissenschaftlicher Studien zu entscheiden. Da es um eine gesellschaftliche Wertefrage geht, ist die Naturwissenschaft vermutlich der falsche Ansprechpartner dafür.

Die öffentliche Diskussion wird meist aus einer (scheinbar) pluralistischen Weltsicht geführt. Der Pluralismus entwickelt wichtige Werte wie Gleichberechtigung, Toleranz und Wertschätzung. Eine Schattenseite des Pluralismus besteht jedoch darin, dass er Werte in einer neuen Dogmatik vertritt. Aus einer Haltung der Gleichberechtigung wird ein unreflektiertes „Alle Menschen sind immer und überall gleich“. Aus dem Wunsch nach einem wertschätzenden Dialog wird die unrealistische Idee, durch eine „neue Sprache“ jede Bewertung oder Verletzung vermeiden zu wollen.

Eine neue Sprache, die nicht weh tut?

Diese pluralistischen Ansprüche lassen sich nicht konsistent aufrechterhalten. Wir können und sollten allen Menschen die gleiche Menschenwürde zusprechen, aber individuelle und kulturelle Unterschiede in Fähigkeiten, Präferenzen oder Werten bleiben bestehen und müssen berücksichtigt werden. Völlige Gleichheit ist nicht nur unmöglich, sondern auch nicht sinnvoll. Provokant gesagt: Wer immer alle zur Party einladen will, kann den Selbstmordattentäter nicht ausschließen.

Auch die pluralistische Hoffnung, emotionale Verletzungen durch Sprache zu vermeiden, ist zum Scheitern verurteilt. Emotionen sind subjektiv, kontextabhängig und vor allem „selbstgemacht“. Gefühle entstehen durch die subjektive Bewertung von Reizen durch unseren Organismus. Diese Bewertung kann sich ändern und ist individuell unterschiedlich. „Du Opfer“ kann eine böse Beleidigung oder ein jugendlicher Gruß sein, das hängt von den Umständen und der Bewertung ab.

Selbstverantwortung und Empathie statt Sprachhygiene

Es gibt keine emotional sicheren, „nicht-verletzenden“ Worte. Eine pluralistisch verunsicherte Sprachhygiene projiziert eigene Ängste und Unsicherheit nach außen, macht andere für die eigenen Gefühle verantwortlich und fordert dann „sichere Worte“, um sich selbst zu schützen. Diese Sicherheit ist illusorisch. Eine (egozentrische) Haltung, die verletzen möchte, wird dies mit oder ohne Worte erreichen. Auch aus einer wohlwollenden Intention heraus kann man unabsichtlich verletzen. Dann bleibt nur, als Zeichen aufrichtiger Empathie, um Entschuldigung zu bitten.

Eigentlich unnötig zu betonen, dass dies keine Entschuldigung für bewusst verletzendes oder kriminelles Verhalten ist. Wir können und sollten die schlimmsten sprachlichen Auswüchse gesetzlich regeln, aber dies müssen begründete Ausnahmen bleiben. Die Kommentare in den Social-Media-Kanälen sind voll von herabwürdigenden und rassistischen Äußerungen. Diesen wird man auch nicht durch das Vorschreiben einer politisch korrekten Sprache Herr (Frau auch nicht ;o). Hier helfen wohl nur eine gute Kinderstube, Bildung und, wo das versagt hat, die Justiz.

Die integrierende Haltung in der Diskussion um die Sprachhygiene ist sehr viel wichtiger als die Frage, ob „Sprache Bewusstsein schafft“ oder umgekehrt. Der Streit um Sprachregeln muss in einem freien Klima erfolgen. Mitgefühl, Liebe und Toleranz haben sich noch nie durch Verbote oder Regeln verordnen lassen. Wir können lernen, mehr Verantwortung zu übernehmen, mehr Empathie zu entwickeln und unser Mensch-Sein besser zu verstehen. Und das zu leben, worum es bei der „Sprachhygiene“ ja gehen soll: Um die Menschlichkeit, die uns alle verbindet.

 

Die neue Gewaltfreie Kommunikation

Markus Fischer
Die neue Gewaltfreie Kommunikation
Empathie und Eigenverantwortung ohne Selbstzensur

1. Auflage BusinessVillage 2019
232 Seiten

ISBN 978-3-86980-468-2

24,95 Euro

 

 

Der Autor

Markus Fischer, Dipl. Volkswirt, unterstützt seit über 20 Jahren die Klärung spannungsgeladener Beziehungen und weiß von sich selbst, dass Konflikte selten willkommen sind. Als Pionier der Gewaltfreien Kommunikation in Deutschland ist er ein kritischer Denker geblieben. Heute begleitet er den Kulturwandel in Unternehmen nach dem Grundsatz: Freiheit gibt es nur mit Verantwortung. http://kultur-wandeln.de

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Güterverkehr: Sicheres und bequemes Parken im Fokus

Jetzt wird es eng. Der EU-Mobilitätspakt ist veröffentlicht. Gemäß dieser Richtlinie wird das Übernachten von LKW-Fahrern in der Fahrzeugkabine zumindest am Wochenende nicht mehr möglich sein. Die Regelung soll den Schutz der Fahrer erhöhen, aber auch die Verkehrssicherheit. Für die Speditionen werfen die geplanten Regelungen Probleme auf. Denn neben fehlenden Hotelkapazitäten für die Hundertausenden Trucker und den damit verbundenen Kosten steht auch das Thema Sicherheit im Fokus: Beschädigungen, Diebstähle und Vandalismus sind schon heute an der Tagesordnung. Die Hegelmann Gruppe, ein großer internationaler Player mit mehr als 4000 LKW, sucht nun nach Lösungen.

„Wir sind im engen Austausch mit strategischen Partnern“, verdeutlicht Siegfried Hegelmann, Geschäftsführer der Hegelmann Gruppe, die Dringlichkeit des Themas. Zu diesen strategischen Partnern gehören Niels de Zwaan, Geschäftsführer der Truck Parking Europe, Dirk Penasse, Geschäftsführer von Esporg, und Tim Baumeister, Projektleiter bei KRAVAG Truck Parking. Gemeinsam erörtern sie Möglichkeiten und Lösungen, die vorbildhaft für die gesamte Branche sein sollen. „Wir möchten hier Pionier sein und allen Aspekten Rechnung tragen“, versichern die vier Logistikexperten.

Allein die Hegelmann Group kommt auf tausende internationale Langstreckentransporte, die täglich in ganz Europa unterwegs sind. Täglich in ganz Europa unterwegs zu sein bedeutet aber auch, dass die LKW-Fahrer oft am Wochenende nicht zu Hause sein können. Und das wiederum bedeutet, dass sie ihre Wochenendruhezeit auf einem Rastplatz verbringen. Noch, denn das soll sich durch die EU-Vorgaben ändern. Die Bußgelder bei Verstößen sind entsprechend hoch. Allerdings: Das ist leichter gesagt als getan. Es ist schon jetzt eine große Herausforderung für jeden einzelnen Fahrer, einen geeigneten und vor allem sicheren Parkplatz zu finden, an dem er beruhigt schlafen kann, ohne Angst haben zu müssen, dass am nächsten Morgen seine Ladung aus dem Auflieger entwendet oder sein Fahrzeug beschädigt worden ist. Besonders im Ausland mangelt es an offiziellen Sicherheitsparkplätzen mit Eigenschaften wie Videoüberwachung, Beleuchtung, Zaunanlage, Schranken und Erfassung von Kennzeichen bei der Ein- und Ausfahrt.

Die europäische Gesetzgebung ist wieder einmal grundsätzlich gut gemeint, doch in der Praxis kaum umsetzbar. „Stand heute ist das realitätsfremd“, macht Siegfried Hegelmann klar. Das Problem für die Spediteure beschreibt er so: „Entweder der Fahrer parkt auf einem Parkplatz, der nicht als offizieller Sicherheitsparkplatz eingestuft ist, um die Übernachtung in einer nahegelegenen Unterkunft zu verbringen, mit der Gefahr, den LKW unbewacht zurückzulassen, oder er parkt auf einem offiziellen Sicherheitsparkplatz und muss dann irgendwie zu einer kilometerweit entfernten Unterkunft kommen.“ Das passe nicht zusammen. Schon jetzt reichten an vielen Orten die Hotelkapazitäten genauso wenig aus wie die Parkplätze auf der Route. Jeder könne sich von der prekären Lage an Raststätten und Autobahnen überzeugen. Schon ohne die entsprechend notwendigen Sicherheitsvorkehrungen und EU-Beschlüsse sei die Situation angespannt.

Hegelmann allerdings reicht es nicht, die Zustände zu beklagen. Er sucht nach Lösungen – mit geeigneten Partnern. Und er ist bereit, im Sinne seiner Fahrer zu investieren. Man führe erste Gespräche und sei auf einem sehr guten Weg, lässt er wissen. Man werde einen Weg finden, alle Interessen zu wahren und alle Auflagen zu erfüllen.

Die Hegelmann Gruppe strebt mit diesen drei Projektpartnern nachhaltige Lösungen an. „Wir möchten das Problem konstruktiv lösen – für uns und die gesamte Branche. Alle größeren Spediteure im Langstreckenverkehr stehen vor dieser dringenden Herausforderung“, weiß Hegelmann. Gemeinsam möchte er Abhilfe schaffen, fordert die gesamte Branche zu Dialog und Mitgestaltung auf. „Unsere Gespräche sind kein closed shop. Wir suchen den Austausch und die besten Ideen – auch mit der Politik, die hier gefragt ist.“ Wer Vorgaben mache, müsse auch die notwendige Infrastruktur schaffen, fordern die Dialogpartner rund um das sichere Parken. Gerne leiste man einen Beitrag zur Information und zur Lösungsfindung. Jeder in der Branche sei auch bereit, zu investieren. Aber Lösungen könnten eben nur im Konzert mit den politischen Entscheidungsträgern umgesetzt werden. „Wir rufen hier zum Dialog auf!“

Weitere Informationen über die Hegelmann Gruppe, deren soziales und gesellschaftliches Engagement sowie alle Themen rund um Transport und Logistik gibt es unter www.hegelmann.com.

Auf Wachstumskurs: Scala gewinnt Mohammed Kabiri als Area Sales Manager für den deutschsprachigen Raum

Der Weltmarktführer für Digital-Signage-Lösungen Scala gewinnt mit Mohammed Kabiri einen neuen Area Sales Manager für den deutschsprachigen Raum. Mohammed Kabiri ist seit 2004 in der Branche engagiert und gilt sowohl technisch als auch in der strategischen Umsetzung im stationären Handel als absoluter Top-Profi. Zusammen mit Matthias Hofmann, der auch weiterhin als Area Sales Manager DACH aktiv sein wird, soll er das rasante Wachstum des Unternehmens weiter beschleunigen und weitere Großprojekte für international renommierte Marken umsetzen. „Mit der neuen Doppelspitze im Vertrieb und in der Beratung werden wir die Digitalisierung des Handels sowie das emotionale Kundenerlebnis weiterentwickeln, unsere vielen Kundenbeziehungen weiter intensivieren und die einzelnen Handelssparten in ihrer Individualität noch besser technisch unterstützen“, teilt Scala mit.

Mit Matthias Hofmann und Mohammed Kabiri wird eine Doppelspitze etabliert, die sich schon lange kennt. Matthias Hofmann ist seit vielen Jahren bei Scala und stand bislang immer wieder im Wettbewerb mit Mohammed Kabiri. „Nach fast zehn Jahren ziehen wir endlich an einem Strang, können unsere Stärken kombinieren. Wir schätzen uns sehr. Ich freue mich, dass ich ‚Kamo‘ nun endlich als Kollegen begrüßen darf“, erklärt Matthias Hofmann. „Kamo“ ist der Spitzname von Mohammed Kabiri, mit dem er in der Branche weithin bekannt ist.

Für Mohammed Kabiri ist es ein Wechsel mit Ansage. „Scala ist der Weltmarktführer, ein Unternehmen, das Digital Signage als Kerngeschäft versteht, der technisch und strategisch stärkste Akteur auf dem Markt. Hier kann ich viel bewegen. Und durch die Zugehörigkeit zur Stratacache-Gruppe ist die Ausrichtung auf weltweite Märkte und internationale Marken absolut im Fokus. Darauf freue ich mich, auch und insbesondere, weil ich zusammen mit Matthias arbeiten kann. Wir kennen uns bereits aus vielen Projekten. Zusammen können wir immense Mehrwerte generieren“, so Kabiri.

Mohammed Kabiri hatte bereits mehrere Management-Funktionen in den Bereichen Digital Signage und Handelsmarketing inne und hat vollumfängliche Projekte für verschiedene Unternehmen umgesetzt – vom Vertrieb über die Projektplanung und die technischen Anforderungen der Hard- und Software bis hin zur Lieferung, Inbetriebnahme und dem Support. „Er hat einen generalistischen Blick und kennt den Markt aus dem FF“, erklärt Matthias Hofmann.

Mohammed Kabiri lebt in der Nähe von München. Er wird deswegen verstärkt die Märkte Österreichs und der Schweiz bearbeiten, aber auch Matthias Hofmann in besonderen Schwerpunktbranchen in Deutschland unterstützen. Beide sollen laut Unternehmensangaben als Team operieren und Großkunden auch als Tandem betreuen. Die neue Personalie sei Ausdruck des Wachstums und des Wachstumswillens des Unternehmens.

Wer sich für Digital Signage im Allgemeinen und Lösungen von Scala im Besonderen interessiert, sich über moderne Point-of-Sale-Kommunikation oder modernes Customer Experience Management informieren und Praxisbeispiele namhafter Marken und Handelsunternehmen live erleben möchte, bekommt weitere Informationen unter www.scala.com.

Sechs Tipps für mehr Conversions: Sendcloud beleuchtet Auswirkungen der COVID-19-Pandemie

Die COVID-19-Pandemie hat die Gewohnheiten von Verbrauchern im E-Commerce verändert. Welche Auswirkungen dies genau hatte, zeigt ein neuer Report von Sendcloud, der All-in-One-E-Commerce-Versandplattform für Online-Händler. Die Grundlage des Reports ist eine europaweite Umfrage zum Online-Konsumverhalten der Verbraucher. In Deutschland nahmen insgesamt mehr als 1.000 E-Shopper teil.

Mehr Bestellungen fordern die Logistik

Da hierzulande während der COVID-Krise temporär viele Geschäfte geschlossen waren, bestellten deutsche Verbraucher in dieser Zeit insgesamt mehr online: durchschnittlich 2,3 Produkte mehr als gewöhnlich. Das liegt allerdings unter dem europäischen Durchschnitt von fast drei weiteren Produkten. Der Grund dafür ist eventuell, dass in anderen Ländern der Lockdown noch umfangreicher war.

Die unvorhersehbare Zunahme der Online-Käufe stellte jedoch insbesondere die Logistik vor Herausforderungen – ganz Europa sah sich in der Pandemie mit Lieferverzögerungen konfrontiert. Von den deutschen Verbrauchern waren fast 71 Prozent betroffen. Pakete wurden im Durchschnitt rund zwei Tage später als gewöhnlich zugestellt. In der Krise sind die Deutschen jedoch bereit, länger zu warten. Waren zuvor durchschnittlich bis zu 4,5 Tage für sie vertretbar, sind es nun durchschnittlich 5,7 Tage. In anderen europäischen Ländern sind die Menschen jedoch noch weitaus geduldiger. Beispielsweise erwarteten Franzosen die Ankunft eines Pakets zuvor nach durchschnittlich 4,7 Tagen. Jetzt darf die Lieferung für sie aber bis zu durchschnittlich 7,4 Tagen dauern.

Sechs Tipps für mehr Conversions im E-Commerce

Eine Erkenntnis der Pandemie ist sicherlich, dass E-Commerce für deutsche Verbraucher weiter an Bedeutung gewonnen hat. Das führt zukünftig jedoch nicht automatisch zu mehr Conversions – denn dafür sind konkrete Maßnahmen erforderlich. Welche sich im Hinblick auf deutsche Verbraucher anbieten, legt der E-Commerce Lieferkompass 2020 von Sendcloud ebenfalls dar. Rob van den Heuvel, CEO und Mitbegründer von Sendcloud, hat aus den Ergebnissen sechs Tipps zusammengestellt, die für mehr Conversions im E-Commerce sorgen können.

1. Versandkosten individuell gestallten

In Deutschland sind die Versandkosten für 62 Prozent der Deutschen ein Dealbreaker. Gleichzeitig ist mehr als die Hälfte aller Verbraucher dazu bereit, ein zusätzliches Produkt zu ihrem Einkauf hinzuzufügen, um den Mindestbestellwert für kostenlosen Versand zu erreichen. Ein solcher Schwellenwert kann also dazu beitragen, den eigenen Umsatz zu steigern. Daher ist es wichtig, experimentell damit umzugehen und zu prüfen, was im individuellen Fall funktioniert. Eine hilfreiche Formel zur Berechnung des Mindestbestellwertes lautet: Durchschnittliche Bestellmenge + (Standardversandkosten x 3) = Schwelle für kostenlosen Versand.

2. Mehrere Zustelloptionen anbieten

Um das Kundenerlebnis zu verbessern und so auch für mehr Conversions zu sorgen, können Online-Händler beim Checkout mehrere Zustelloptionen anbieten. Diesbezüglich haben deutsche Verbraucher gerne die freie Wahl. Jedoch lehnen 35 Prozent weitere Kosten für zusätzliche Optionen grundsätzlich ab. Mit weiteren Kosten für einen schnelleren oder taggenauen Versand sind einige hingegen einverstanden.

3. Nicht auf nur einen Logistik-Dienstleister setzen

Für 72 Prozent der deutschen Verbraucher hat das jeweilige Versandunternehmen eines Online-Händlers Einfluss auf die eigene Kaufentscheidung. Negative Vorerfahrungen können demnach zu einem Bestellabbruch führen. Deshalb sollten Online-Händler nicht ausschließlich auf ein einziges Versandunternehmen setzen, denn der Kunde ist letztlich König. Außerdem hat das Integrieren von verschiedenen Versandunternehmen auch den Vorteil, dass man einfach auf ein anderes Unternehmen ausweichen kann, wenn Verzögerungen auftreten. Damit kann jederzeit ein reibungsloser Versandablauf sichergestellt werden.

4. Kunden ausführlich informieren

Transparenz ist im E-Commerce entscheidend für Conversions. Deutsche Verbraucher wollen über ihre Bestellung informiert werden. Das heißt, auf den Produktseiten und im Checkout sollten alle Kosten sowie Zustelloptionen aufgelistet sein. Auch nach der Bestellung erwarten Verbraucher regelmäßige Aktualisierungen über ihren Bestellstatus. Track & Trace-E-Mails haben eine Öffnungsrate von 90 bis 100 Prozent. Sie sind daher hervorragend für Marketingmaßnahmen geeignet, lassen sich im Handumdrehen individualisieren und bieten die Möglichkeit, eine langfristige Kundenbindung zu etablieren. Optimal sind Markenbanner oder spezielle Rabatte, die Kunden an den eigenen Store binden und Folgegeschäft generieren.

5. Rückgabefrist für Retouren beachten

31 Prozent der deutschen Verbraucher sehen von einer Bestellung ab, wenn die Rückgabefrist kürzer als 30 Tage ist, und weitere 21 Prozent bestellen nicht, wenn die Frist kürzer ist als 60 Tage. Daher gilt es, die Frist entsprechend zu setzen. Eine Verlängerung der Rückgabefrist kann dazu beitragen, den Umsatz zu steigern. Die Furcht, dass durch diesen Schritt vermehrt Produkte zurückzugeben werden, ist unbegründet. Untersuchungen zeigen, dass Verbraucher nach einer Weile an ihrer Bestellung hängen oder oft einfach vergessen, sie zurückzugeben.

6. Umwelt schonen

Aktuell ist ein umweltfreundlicher Versand in Deutschland noch nicht allzu relevant. Allerdings haben die Deutschen bereits ein Bewusstsein dafür entwickelt. Ihre Bereitschaft, für einen umweltfreundlichen Versand mehr zu zahlen, fällt im europäischen Vergleich etwas höher aus. Eventuell ergibt sich daraus ein Trend, der zukünftig eine bessere Abgrenzung zum Wettbewerb und mehr Conversions verspricht.

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  • COPYRIGHT DAVID STEVENS PRODUCTION HOUSE: Sendcloud

46 Prozent der Unternehmen melden IT-Angriffe

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Zum Start des europäischen Aktionsmonats zur Cybersicherheit ist heute der Praxisreport Mittelstand 2020 zur IT-Sicherheit in kleinen und mittleren Unternehmen erschienen. Die repräsentative Studie unter Schirmherrschaft des Bundeswirtschafs-ministeriums zeigt deutliche Unterstützungsbedarfe im Digitalschutz. 12 Prozent der Betriebe fürchten um die eigene Existenz bei Cyberangriffen.

Fast die Hälfte aller Unternehmen in Deutschland (46 Prozent) vermeldete in den vergangenen Monaten Cyberangriffe auf ihr Unternehmen, das zeigt der DsiN-Praxisreport Mittelstand 2020, der am Dienstag den 6. Oktober im Rahmen der it-sa 365 erstmalig vorgestellt wird. In drei von vier Fällen (74 Prozent) führten die Angriffe zu schädlichen Auswirkungen, in vier Prozent der Fälle sogar zu schweren Belastungen innerhalb des Betriebs. Trotz dieser Ausgangslage reagieren nur wenige Unternehmen aktiv mit einer Verbesserung ihre digitalen Abwehrbereitschaft. Ein Viertel der Betriebe (25 Prozent) verfügt über keinerlei Datensicherungen, ein Drittel (35 Prozent) hat keine Krisenreaktionspläne und nur jedes fünfte Unternehmen achtet laut DsiN-Praxisreport auf verschlüsselte E-Mails (22 Prozent).

Zugleich gewinnt die Digitalisierung flächendeckend weiter an Bedeutung. Der Einsatz von Cloudlösungen hat im zwölfmonatigen Erhebungszeitraum bis April 2020 weiter zugenommen und liegt nun bei 47 Prozent (2018: 41 Prozent). Auch der Einsatz digitaler Verkaufsplattformen zeigt einen Zuwachs gegenüber 2018 um drei Prozent und liegt nun bei 44 Prozent. „Wir sehen eine zusätzliche Digitalisierung des Mittelstands, die durch Corona nochmal an Fahrt gewinnt. Dadurch entstehen zusätzliche Angriffsflächen, die den Nachholbedarf an sicheren IT-Lösungen und Vorkehrungen weiter steigen lässt“ so DsiN-Geschäftsführer Dr. Michael Littger.

Auffällige Schwachstellen der digitalen Abwehrbereitschaft zeigt der Report auch in der Schulungspraxis von Mitarbeitern. Fast die Hälfte der Betriebe (47 Prozent) verzichtet auf sämtliche Hinweise und Informationen über sicheres Verhalten am Arbeitsplatz. Bei kleinen und kleinsten Betrieben kommt hinzu, dass eigene Zuständige für IT-Sicherheitsfragen fehlen. In jedem zweiten Betrieb unter 10 Mitarbeitern kümmert sich die Geschäftsleitung (49 Prozent) selbst um die IT-Absicherung. Bei Unternehmen von 201 bis 500 Mitarbeitern liegt die IT-Sicherheit nur noch bei fünf Prozent der Betriebe in der unmittelbaren Hand der Geschäftsleitung.

Aus Sicht des Bundeswirtschaftsministeriums verdeutlicht diese Entwicklung, dass Angebote für mehr IT-Sicherheit stärker nachgefragt und angewendet werden müssen: „Mit der neuen Transferstelle IT-Sicherheit im Mittelstand, TISiM, sorgt das Bundeswirtschaftsministerium dafür, dass gerade kleine Betriebe, Selbstständige, das Handwerk sowie Freiberufler darin unterstützt werden, IT-Sicherheit in Betrieben umzusetzen.“ so Thomas Jarzombek, Beauftragter des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie für Digitale Wirtschaft und Start-Ups. Die Transferstelle TISiM wurde Anfang des Jahres vom Bundeswirtschaftsministerium ins Leben gerufen. Am 6. Oktober zur it-sa 365 startet sie mit ihrer Pilotphase für mehr Cybersicherheit im Mittelstand.

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DBU fördert Start-ups – Wichtiger Beitrag für eine nachhaltige Zukunft

DBU fördert Start-ups aus Frankfurt, Berlin, Kassel und Tettnang

Berlin/Frankfurt/Tettnang/Kassel. Eine digitale Beratung für elektrische Kleinfahrzeuge, ein globales Trinkgeld, intelligente Fenster und ein Sensor, der Pflanzenstress misst: Mit diesen Ideen haben Newbility (Tettnang), Tip me Global (Berlin), Nanoscale Glasstec (Kassel) und Phytoprove Pflanzenanalytik (Frankfurt) überzeugt. Sie werden deshalb durch das Green Start-up Programm der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU) fachlich und finanziell gefördert. „Seit Mitte 2019 haben wir damit insgesamt 22 junge Unternehmen ausgewählt. Sie alle leisten einen Beitrag, um die Zukunft nachhaltiger zu gestalten und die Chancen der Digitalisierung für Umwelt und Gesellschaft zu nutzen“, sagt Dr. Stefanie Grade, Koordinatorin des DBU Start-up Programms.

Was braucht meine Pflanze?

Egal ob Profigärtner, Landwirte oder interessierte Laien: sie alle erfreuen sich an gesunden Pflanzen. Deshalb wird regelmäßig gedüngt und bewässert. Doch es reicht dabei nicht, nach Augenmaß oder Gefühl zu gehen. Zeigen sich sichtbare Schäden wie bleiche oder welke Blätter, sei es für geeignete Gegenmaßnahmen meistens bereits zu spät, erklärt Phytoprove-Gründer Dr. Thomas Berberich. Zu viel Dünger belaste zudem die Umwelt durch hohe Stickstoffeinträge in Böden und Gewässer. Das Start-up hat dafür eine Lösung parat: „Wir entwickeln neue Geräte, die den Versorgungszustand von beispielsweise Weinreben, Gemüsepflanzen oder Getreide messen, anzeigen und in eine Cloud übertragen. So kann jeder seine Pflanzen rechtzeitig und nach Bedarf düngen und bewässern“, sagt Berberich. Die Geräte sollen dabei nicht nur für den privaten Anbau, sondern auch in der Landwirtschaft nutzbar sein.

Ein globales Trinkgeld

Tip me Global entwickelt die Idee des Trinkgeldes weiter: „Wir realisieren ein digitales Trinkgeld, das Menschen in Schwellen- und Entwicklungsländern zugutekommt, die ein Produkt hergestellt haben“, erklärt Jonathan Funke seine Idee. Kauft ein Kunde im Onlineshop zum Beispiel ein Paar Schuhe, kann er mit einem Klick ein digitales Trinkgeld geben. Dieses wird direkt, fair und ohne Abzüge zwischen allen Arbeitern an der Produktionsstätte aufgeteilt. Per SMS erhalten diese dann einen Code, mit dem sie sich die Summe in einer Bank auszahlen lassen können. Um eine sichere Zustellung zu gewährleisten, werden im Vorfeld sowohl die Firmen als auch die Personendaten der Mitarbeiter geprüft. „So wird das Bewusstsein der Käufer für ihr eigenes Konsumverhalten geschärft, und die Menschen entlang der Produktionskette erhalten mehr Wertschätzung für ihre Arbeit“, betont Koordinatorin Grade.

Intelligente Fenster für den Klimaschutz

Glasfenster lassen Sonnenschein und Wärme in Büros und Wohnhäuser. Im Sommer führt das dazu, dass sich Innenräume aufheizen – und mit viel Energie wieder gekühlt werden müssen. Außerdem werden Jalousien gegen das blendende Tageslicht geschlossen und dann Lampen eingeschaltet. Guilin Xu, Gründerin von Nanoscale Glasstec: „Wir entwickeln Doppelverglasungen mit eingebauten Mikrospiegeln, die so ausgerichtet werden, dass sie Sonnenlicht gezielt lenken.“ Durch Personenerkennung werde die einfallende Lichtmenge nach Bedarf gesteuert und zielgenau zu den Raumnutzern gelenkt. Im Winter fangen die Spiegel so viel Wärme wie möglich ein. „Der Energiebedarf von Gebäuden kann so ganzjährig deutlich gesenkt werden“, so Guilin Xu. Zusätzlich wirke sich das vermehrt verfügbare gesunde Tageslicht sehr positiv auf Komfort und Wohlbefinden aus.

Richtig beraten beim elektrischen Kleinfahrzeug

Elektrische Mikromobilität mit E-Bikes oder E-Scootern wird immer populärer – was wiederum zu einem stetig wachsenden Produktangebot und vielen Herstellern und Zwischenhändlern mit sehr unterschiedlichen Angeboten geführt hat. „Die große Auswahl überfordert viele Interessierte und hemmt so die Entwicklung der Elektromobilität“, sagt Newbility-Co-Gründerin Bettina Arnegger. Das Start-up realisiert eine Vermittlungsplattform, die individuelle und nachhaltige Kaufempfehlungen auf Basis eines Fragebogens digital abbilden kann. Hierfür wird zunächst das Mobilitätsverhalten der potenziellen Kaufinteressierten, sowie Wünsche zu Sicherheit, Komfort, Design und Kosten abgefragt. Softwarebasiert wird dann der individuelle Mobilitätsmatch ermittelt. So soll jeder das für ihn passende E-Bike oder E-Kleinfahrzeug finden.

Grüne Ideen überzeugen

Das von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt initiierte Green Start-up Programm hat mittlerweile 22 junge Unternehmen gefördert. Deren Ideen und Konzepte sind von internen und externen Experten verschiedener Fachrichtungen auf Innovationshöhe, Marktpotenzial, Umsetzungsfähigkeit und Nachhaltigkeitsherausforderung geprüft worden. Die besten wurden zu einem sogenannten Pitch eingeladen, bei dem die Jungunternehmerinnen und Jungunternehmer ihr Start-up vorstellen.

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  • Startup Phytoprove – Dr. Thomas Berberich (l.) und Daniel Weber: Phytoprove Pflanzenanalytik