Bautzen, den 23.05.2020

Bemerkungen zur Spreequerung von Karl-Heinz Lehmann

1. Warum beschäftigen Sie sich seit 20 Jahren mit dem Brückenprojekt der Spreequerung?

Im Jahr 2001 wurde der Vertrag zwischen dem Freistaat Sachsen, dem Landkreis Bautzen und der Stadt Bautzen zum Bau des Jugend-und Puppentheaters abgeschlossen.
Als damaliger Hauptamtsleiter des Landratsamtes wurde ich für die Vorbereitung und Realisierung des Projektes Spreequerung vom Protschenberg zum Eingang des neuen Burgtheaters eingebunden.
Die Baugenehmigung vom 30.05.2002 forderte vom Landkreis u.a. die Schaffung von
34 Pkw Stellplätzen in unmittelbarer Nähe des Theaterneubaues. Mit der Errichtung
des Parkplatzes Schliebenstraße 2009 wurden dann die Parkplätze geschaffen, aber die
Spreequerung fehlte und die Auflagen der Baugenehmigung wurden damit bis heute noch nicht erfüllt!
Es gibt Schätzungen, dass ca. 100.000 Besucher jährlich den Burghof zu verschiedensten Events besuchen und bis heute mit komplizierten Zugangswegen leben müssen.

2. Nicht wenige befürchten, dass sich die Stadt Bautzen im Zuge einer Realisierung des angedachten Brückenprojektes finanziell übernehmen könnte. Sie sehen das anders, warum?

Bei der anstehenden Entscheidung:
„Wie geht es weiter mit der Finanzierung der Brücke ?“ gibt es folgende Lösung.
Im Haushalt der Stadt Bautzen wurden 300.000 Euro für die Projektvorbereitung und
700.000 Euro für die Erweiterung des Parkplatzes Schliebenstraße geplant.
Da der Parkplatz allein nicht förderfähig ist, aber das Gesamtprojekt, Touristenpark-
platz, Bürgerwiese und Brücke durch den Freistaat Sachsen zu 80 bis 90 % gefördert
wird, sind die 700.000 Euro als Eigenanteil für die Errichtung des Gesamtprojektes
ausreichend! Eigentümer der Ortenburg ist nicht die Stadt Bautzen, sondern das Land Sachsen!
Nach Aussagen des Freistaates soll die Förderung aus dem GRW- Infra Fördertopf
über die Förderung des Strukturstärkungsgesetzes gesichert werden. Hier sind also Fördergelder des Freistaates in jedem Fall die Grundlage der Projektrealisierung und nicht der Haushalt der Stadt Bautzen!
Das Argument, wir haben wegen der Corona- Krise kein Geld um solche Projekte zu
finanzieren, ist falsch, weil Konjunkturförderprogramme zur Bewältigung der Krise mit Sicherheit in den nächsten Jahren gestartet werden und dabei solche Vorhaben, die einen Projektvorlauf besitzen, zuerst realisiert werden.

3. Welche Vorzüge gibt es mit den neuen Brückenvarianten gegenüber der
Spannbandbrücke?

Bei der Spannbandbrücke haben die Tragwerksplaner bei den Probebohrungen festgestellt, dass der Baugrund auf dem Hof der Ortenburg den extrem hohen horizontalen Verankerungslasten nicht mit Sicherheit stand hält bzw. schwer kalkulierbare zusätzliche Baukosten verursachen könnte.

Unter Hinzuziehung eines erfahrenen Bautzener Bauunternehmens im Brückenbau
und eines Architektenbüros, welches über die vorhandene Baugrundspezifika auf dem
Ortenburg-Gelände bereits sehr genaue Kenntnis besitzt, wurden 3 Varianten von Brücken erarbeitet.
Der Vorteil dieser Varianten liegt darin, dass die Kostenkalkulation in allen drei Varianten wesentlich sicherer möglich ist, weil dabei die technischen Risiken erheblich kleiner sind.

4. Tourismuskonzept
Die Stadt Bautzen hatte dem Unternehmen ift Freizeit-und Tourismusberatung en Auftrag zu einer Studie für die Stadt bautzen erteilt. Deren Abschlussdokument vom 14.03.2019 zeigt die seit Jahren enormen Schwächen der Tourismusentwicklung unserer Stadt auf.
Diese Erkenntnis hat dazu beigetragen, dass der Oberbürgermeister mit seinen zuständigen Leitern der Fachbereiche, die Entwicklung der Bereiche Touristenpark-platz, Bürgerwiese und Brückenquerung zur Chefsache erklärt hat.
Im o.g. Konzept wird u. a. ausgesagt, dass Bautzen im Gegensatz zu benachbarten Städten sein touristisches Potenzial nicht ausschöpft und die Tourismusentwicklung stagniert. Um den Stellenwert der Tourismusbranche für Bautzen deutlich zu machen spricht das ift-Konzept von gegenwärtig 54,5 Millionen Euro Bruttoumsatz in Bautzen, die erheblich ausgebaut werden könnten bei Investitionen in eine profilbildende Infrastruktur.
Ein Konzept der Entwicklung des Ortenburg- Areals und die Brücke zur Ortenburg
könnten Bausteine für eine positive Veränderung sein.

5. Wie könnte der weitere Fahrplan vor dem Hintergrund aussehen?
Um nicht wieder mehrere Jahre bis zur nächsten Entscheidung verstreichen zu lassen, ist die Fertigstellung der Kostenermittlungen für die Brücke voran zu treiben und den Bautzener Bürgern die Brückenvarianten mit allen Details vorzustellen zur Mitwirkung bei der weiteren Entscheidungsfindung. Gleichzeitig sind die Bewertungen des Landeskonservators als Chef der Denkmalpflege von großer Bedeutung.
Bei einer positiven Gesamtbewertung sind nachfolgend die Anträge zur Förderung an den Freistaat Sachsen zu stellen. Hier bin ich überzeugt, dass die Frage der Finanzierung durch den Freistaat Sachsen positiv entschieden wird. Damit wäre der Weg frei für eine seit Jahren erforderliche Investition in eine positive Stadtentwicklung.

6. Was wünschen Sie sich für die Altstadt, die Brücke und all die Menschen, die hier
leben?
Mit heute fast 80 Lebensjahren und in Bautzen geboren bin ich der Überzeugung, eine Stadt muss sich ständig weiterentwickeln. Diese Entwicklung muss von den Bürgern
angestoßen und mitgetragen werden.
Das Beispiel Ortenburg- Ensemble mit der Burg, dem Jugend-und Puppentheater
mit den Rietschelgiebel-Figuren, das Langhaus (Fronfeste), der Burgwasserturm, das
Restaurant Burghof, das Sorbische Museum, das Hofrichterhaus und der Matthiasturm
sind es wert, erhalten zu werden bzw. sie im altem Glanz erscheinen zu lassen und damit der Stadt einen Besuchermagnet zu sichern.
Wenn wir es mit der Brücke gemeinsam schaffen, ein „neues Tor zur historischen
Altstadt“ zu öffnen haben wir eine neue touristische Attraktion.
Ich freue mich über die aktuelle und zukünftige Diskussion! Dass sie geführt werden muss, ist in einer selbstbewussten Stadt wie 0 eine Selbstverständlichkeit. Das Für und Wider muss allen klar werden. Ich hoffe auf ein gutes Ergebnis, das gerade jungen Leuten beweist, wie die Bautzener mit Bewusstsein für Geschichte in die Zukunft gehen.

Karl-Heinz Lehmann